Einführung der SARON Hypothek bedeutet Ende für den LIBOR

 

Der bisher geltende Referenzzinssatz «London Interbank Offered Rate», die bislang wichtigste Grösse im globalen Finanzsystem, wird Ende 2021 vom Markt verschwinden. Die neue entscheidende Grösse im Schweizer Markt ist der SARON. Der neue Zinssatz soll ein grundsolider Nachfolger für den LIBOR sein. Was das für die Kunden und Schweizer Banken bedeutet und welche Herausforderungen sich dem neuen Zinssatz stellen, lesen Sie in unserem Beitrag. 

Referenzzinssätze sind wichtig. Die gesamte Geldpolitik, unter anderem CHF, aber auch alle Verträge, die auf den Finanzmärkten für Spareinlagen, Kredite und Hypotheken abgeschlossen werden, basieren auf diesen leitenden Zinssätzen. In diesem Beitrag lesen Sie, wie sich LIBOR und SARON voneinander unterscheiden; warum der «London Interbank Offered Rate» abgeschafft wird; wie sich der SARON Zinssatz gestaltet und wie er Sie bei Immobilienfinanzierungen unterstützt.

Was ist der LIBOR?

Im Jahr 2019 gab die Schweizer Nationalbank (SNB) bekannt, dass sie den bisherigen LIBOR-Leitzins ändern würde. Bevor wir zur Einführung der SARON-Hypothek kommen, wollen wir folgende Frage klären: Was ist der LIBOR? Die Abkürzung steht dabei für «London Interbank Offered Rate». Es handelt sich um einen leitenden Zinssatz, der aktuell in der Schweiz gilt und unter anderem die Höhe von Hypothekenzahlungen beeinflusst. Dabei wurde der Referenzzinssatz nicht von der Schweizerischen Nationalbank selbst festgelegt, sondern von ihr in einem definierten Zinsband gesteuert. Dieses lag bisher bei -0,25 bis -1,25 Prozent.

Noch geben die LIBOR-Administratoren täglich an, welcher Referenzzinssatz für das Interbankengeschäft gilt. Bei dieser Geschäftsart leihen sich Banken untereinander ungesichert Geld und Währungen. Der LIBOR Zinssatz basiert auf den Eingaben der «Panel-Banken» in London und wird in Währungen wie CHF, EUR, USD, GBP und JPY publiziert. Bis Ende 2021 werden alle betroffenen Länder dazu aufgefordert, alternative Referenzzinssätze zu entwickeln.

Warum wird der LIBOR abgeschafft?

Seit 2011 steht der weltweit wichtigste Referenzzinssatz in der Kritik. Denn es kam zum Skandal, als herauskam, dass die meldenden Banken den LIBOR zu ihren Gunsten manipuliert hatten. Dies kostete ihn seinen Ruf und seine Legitimität.

Spätestens seit dem 27. Juli 2017, als die britische Finanzmarktaufsicht ankündigte die Bestimmung ab 2021 nicht mehr zu unterstützen, ist klar, dass eine Alternative her muss. Denn mit der Finanzkrise 2008/2009 waren die für die Ermittlung des LIBOR notwendigen Transaktionen zusehends verschwunden und die Bereitschaft der Geschäftsbanken, sich gegenseitig unbesicherte Kredite zu geben, schwand. Soll heissen, er basierte mehr und mehr auf Schätzungen und verlor somit an Aussagekraft. 

So entschied die britische Finanzaufsichtsbehörde am 05. März 2021 letztlich, den Zinssatz nur noch bis Ende 2021 fortzuführen. Aufgrund dieses Skandals müssen daher alle Banken, die den LIBOR-Zinssatz genutzt hatten, eine Alternative finden. Dies gilt auch für die Schweiz. Hierzulande wird der LIBOR-Zinssatz nicht nur als Leitzins, sondern auch als Basis für geldmarktbasierte Hypotheken zur Immobilienfinanzierung genutzt. Entsprechend arbeitet die Schweizerische Nationalbank schon seit mehreren Jahren daran, einen neuen leitenden Zinssatz für die Schweiz zu entwickeln. Um leitzinsbasierte Prognosen kommunizieren zu können, teilte die SNB deshalb bereits vor drei Jahren mit, dass der SARON-Zinssatz die Alternative zum LIBOR-Zinssatz in der Schweiz sein werden würde. Und nun steht dieser Wandel kurz bevor.

Mit der Einführung des Negativzins hat sich bei den Banken eine Praxis etabliert, die mit dem diesjährig veröffentlichten LIBOR-Urteil in Frage gestellt wurde. Tausende Kreditnehmer hatten die Chance die gezahlten Beiträge bei den Hypothekenbanken zurückzufordern. Mehr dazu hier in unseren Insights.

Was ist der SARON?

Der SARON ist der neue Leitzins der Schweiz. Die Abkürzung steht für «Swiss Average Rate OverNight» und wird von der SNB bestimmt und festgelegt. Aktuell (Stand: 09. August 2021) bewegt sich dieser bei -0,72 Prozent, also im negativen Bereich. Seine Höhe befindet sich stets in der Nähe des SNB-Leitzinses. Zu wissen gilt, dass im Gegensatz zum LIBOR-Zinssatz, der SARON bei der Schweizer Börse ermittelt wird. Er basiert auf tatsächlichen Transaktionen und Preisen statt auf Abmachungen zwischen Banken. Entsprechend ist der «Swiss Average Rate Over Night» deutlich weniger anfällig für Missbrauch als der «London Interbank Offered Rate», was aktuell eines der grossen Vorteile zu sein scheint.  

Noch ein Unterschied besteht darin, dass der Zinssatz ein Tagessatz ist. Somit hat er eine Laufzeit von einem Tag beziehungsweise einer Nacht. Anders als bei der LIBOR-Hypothek gibt es keine längeren Laufzeiten – nur der Compounded «Swiss Average Rate Over Night» (s.u.) kann längere Zeiträume abbilden, auf den wir später nochmals näher zu sprechen kommen. 

In den letzten Jahren haben sich SARON und LIBOR stets auf einem ähnlichen Niveau bewegt, wobei die SNB schon seit mehreren Jahren daran arbeiten, den neuen Zinssatz zu einem zuverlässigen Anhaltspunkt zu machen. Angesichts der Corona-Krise ist die SNB weiterhin vorsichtig und geht davon aus, dass der «Swiss Average Rate Over Night» – ähnlich wie der SNB-Leitzins – negativ bleiben wird. Auch für die nächste Zeit wird dies erwartet. 

Einführung der SARON Hypothek - Saron als Alternative zum Libor

Warum ist der zusammengesetzte SARON relevant?

Es gibt insgesamt sieben verschiedene Varianten, um den «Swiss Avery Rate Over Night» zu berechnen. Sechs davon nutzen den sogenannten zusammengesetzten oder “Compounded” SARON als Anhaltspunkt. Dabei handelt es sich um einen sogenannten “aufgezinsten” Wert, der aus einer Abfolge eintägiger SARON-Sätze besteht. Je nach Variante gibt es Unterschiede in Bezug auf die Beobachtungsperiode und somit die Höhe der Zinsen. Ausserdem werden die Zinsen und die Zinsfälligkeit bei den verschiedenen Berechnungsmöglichkeiten nicht immer gleichzeitig angegeben. Wenn Sie also eine Hypothek nach SARON Leitzinssatz abschliessen, sollten Sie sich daher darüber informieren, welche Berechnungsgrundlage hierfür gewählt wurde.

Die folgenden Berechnungsvarianten gibt es für den SARON:

  • Plain: Bei dieser Basisvariante sind Zinsperiode und Beobachtungsperiode identisch. Somit wissen Sie erst am Fälligkeitstag, welche Zinsen für die Hypothek anfallen.
  • Payment Delay: Bei der verzögerten Zahlung ist das Zahlungsdatum etwas später als bei der Basisvariante. Hier gibt es mehr Zeit für die Zinsabrechnung, allerdings ist die Zahlungsfrist als Hypothekarnehmer immer noch recht kurz.
  • Lockout period: Bei der sogenannten Aussperrperiode ist die Beobachtungsperiode kürzer als die Zinsperiode. Die Anzahl der Tage wird dabei von der Bank festgelegt. Dadurch wird der Compounded SARON weniger repräsentativ, was sich jedoch zu Ihren Gunsten auswirken kann.
  • Lookback: Bei dieser Variante, die auch als “zurückversetzte Tage” bekannt ist, sind Beobachtungs- und Zinsperiode gleich lang. Aber die Beobachtungsperiode wird um einen Monat oder eine andere festgelegte Zeit verschoben. So wirken sich Zinsänderungen weniger stark auf den Gesamtzinssatz aus, und Sie haben mehr Zeit, die anfallenden Zinsen zu berechnen.
  • Last Reset: Hier kommt eine verschobene Periode zum Einsatz, bei der die Beobachtungsperiode um eine ganze Zinsperiode nach vorn verschoben wird. Entsprechend wissen Sie schon am Starttag der Zinsperiode, wie hoch die Zinsen ausfallen werden. Da der Zinssatz jedoch veraltet ist, müssen Sie eventuell zu hohe Zinsen bezahlen.
  • Last Recent: Bei dieser kurzen Periode gilt der SARON vom Vortag oder der Compounded SARON der letzten paar Tage als Referenz für eine ganze Periode. Es handelt sich um einen ungenauen Zinssatz, der Ihnen aber ausreichend Zeit gibt, abzurechnen und zu bezahlen.
  • Interest Rollover: Die Teilzahlung stellt eine Kombination aus Plain und Last Reset dar. Zu Beginn der Zinsperiode kommt der SARON vom Vortag zum Einsatz, um das ganze Quartal provisorisch abzurechnen.

Die gewählte Zusammensetzung des Zinssatzes hängt somit stets von Ihrer Bank ab. Lassen Sie sich hier genau beraten und fragen Sie, was die jeweiligen Vor- und Nachteile der Variante sowie mit welchen Risiken diese verbunden sind. So vermeiden Sie bei der Hypothek zu hohe Zinsen zu bezahlen.

Sie haben Fragen rund um die SARON Hypothek und andere Möglichkeiten der Finanzierung Ihrer Immobilie, wie beispielsweise durch eine Festhypothek? Dann nehmen Sie jetzt Kontakt zu unseren Experten auf. Wir beraten Sie als Käufer oder Verkäufer einer Immobilie gerne zum Zinssatz, zu Vor- und Nachteilen der Hypothek oder bei allgemeinen Finanzierungsfragen und Laufzeit.

Wie wird der SARON für die Immobilienfinanzierung verwendet?

Laut SNB gilt dieser künftig als leitender Zinssatz für die Schweiz – auch für Hypotheken. Aktuell bestimmten Geldgeber noch selbst, wie sie ihre Hypotheken definieren, wobei einige Schweizer Banken bereits SARON Hypotheken offerieren. Ab 2022 wird dies allerdings der Standard für neu abgeschlossene Immobilienhypotheken werden, wenn man sich ein Eigenheim finanzieren möchte. 

Wenn Sie noch im Jahr 2021 eine Hypothek abschliessen, kann es gut sein, dass Sie die Rahmenbedingungen einer LIBOR-Hypothek erhalten und auch während der Laufzeit der Finanzierung behalten und gleich bleiben. Auch hier ist es sehr wichtig, sich gut und ausführlich beraten zu lassen. Lesen Sie hier mehr zu einem relevanten Gerichtsurteil.

Grundsätzlich haben LIBOR und SARON-Hypotheken ähnliche Funktionsweisen und Folgen für Konsumenten. Für Sie als Hypothekarnehmer für Ihr Eigenheim, sind die Zinsen nach wie vor günstig. Entscheidend ist allerdings, dass der SARON trotz der negativen Zinsen nie bei Null liegen darf. Hinzu kommt die Marge, die Sie mit dem Finanzierungsinstitut aushandeln. Beachten Sie, dass LIBOR-Hypotheken vermutlich ab dem Jahr 2022 gewisse Unsicherheiten mit sich bringen. Denn wenn der «London Interbank Offered Rate» wegfällt, kann sich der Basiszinssatz verändern und alternativen Referenzzinssätzen mehr Bedeutung zugeschrieben werden. Genaue Folgen sind bisher noch unklar, aber sicher ist, dass Sie gesetzlich vor negativen Folgen geschützt sind. 

Als Alternative zu einer SARON-Hypothek können Sie auch überlegen, eine Festhypothek bei einer Pensionskasse oder anderen Anbietern abzuschliessen. Immer häufiger gibt es auch Switch-Optionen, bei denen Sie zu einem anderen Zinssatz wechseln können. Um die richtige Wahl für Ihre Immobilie zu treffen, sollten Sie einen gründlichen Vergleich zwischen SARON-Hypotheken, LIBOR-Hypotheken und Festhypotheken anstellen oder sich bestenfalls von einem Experten beraten lassen.

Als erfahrene Immobilienmakler können wir Sie gern dazu beraten und mit Ihnen gemeinsam den besten Weg finden, Ihr Eigenheim zu finanzieren, egal ob mit Festhypothek oder nicht – nehmen Sie einfach Kontakt für ein unverbindliches Gespräch mit uns auf.

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