Innovativ und nachhaltig: Das Zürcher Energiegesetz

Am 28. November 2021 stimmte der Kanton Zürich über eine Revision des Energiegesetzes ab. Mit einer Mehrheit von über 60 Prozent sagten die Zürcher Ja zum neuen Energiegesetz. Hier lesen Sie, was es mit dem Gesetz auf sich hat, welche Argumente die Befürworter und die Kritiker vorbrachten, wo Zürich im Jahr 2040 sein möchte und was das für Immobilienbesitzer bedeutet.

Das Energiegesetz Zürich

Das Energiegesetz der Schweiz macht in der Ausgabe von 2014 Mustervorschriften im Energiebereich für alle Kantone. Diese Vorschriften werden durch die Kantone gemeinsam erarbeitet, dann aber individuell umgesetzt.

Die Abstimmung am 28.11.2021 befasste sich damit, ob neue energierechtliche Vorschriften im Gebäudebereich in Zürich umgesetzt werden sollten oder nicht. Etwa die Hälfte aller Kantone hat bereits ähnliche Vorschriften erlassen, wie die, die nun auch in Zürich geplant werden. Daher ist bekannt, dass der Ansatz praxistauglich ist.

Im Zentrum der Änderung des Energiegesetzes von Zürich steht der Heizungsersatz. Denn umweltschädliche Öl- und Gasheizungen werden mit dem neuen Gesetz auslaufen. Aktuell sind die rund 120‘000 Öl- und Gasheizungen für etwa 40 Prozent der CO2-Emissionen des bevölkerungsreichsten Kantons der Schweiz verantwortlich. Laut dem Zürcher Energiegesetz müssen Eigentümer diese Heizungen am Ende ihrer Lebensdauer nun durch eine klimafreundliche Alternative wie eine Wärmepumpe oder eine Holzheizung ersetzen.

Dazu gehören auch Fördermittel für die neuen Heizungen, die von 8 auf 15 Millionen Franken erhöht wurden. Hinzu kommen Gelder vom Bund, die für klimaschonende Heizungen ab Mitte 2022 zur Verfügung stehen.

Die Befürworter

Zu den wichtigsten Befürwortern der Erneuerungen im Energiegesetz gehören die Grünen, die das Wahlergebnis als ein Zeichen dafür sieht, dass die Zürcher mit dem Klimaschutz vorankommen möchten. 62,6 Prozent der Abstimmenden gaben ihr Ja für das Energiegesetz.

Dies zeigt laut Experten auch, dass das Nein zum CO2-Gesetz im Sommer 2021 kein Nein zum Klimaschutz, sondern zu diesem spezifischen Gesetz war. Daher wird das Ja zum Energiegesetz als erfreuliches Signal und als wichtige Weichenstellung für CO2-Neutralität gewertet.

Die folgenden Gründe sind laut Befürwortern des Zürcher Energiegesetzes ausschlaggebend für die Erneuerungen:

  • Die Klimakrise ist bereits da und Erfahrungen wie die Überschwemmungen in der Schweiz und in Deutschland zeigen, dass die Auswirkungen immer näherkommen. Ein sofortiges Handeln auf lokaler Ebene ist daher vielen Bürgern immer wichtiger.

  • Im Sinne der Nachhaltigkeit ist es wichtig, von fossilen Energien wie Erdöl und Erdgas unabhängig zu werden.

  • Klimafreundliche Wärmesysteme wie Wärmepumpen machen das Heizen günstiger und entlasten zudem das Klima – dies hat sich bereits in zehntausenden Gebäuden in der Schweiz bewährt.

  • Als grösster und wirtschaftlich stärkster Kanton der Schweiz hat Zürich eine Vorbildfunktion.

Die Kritiker

Der Zürcher Hauseigentümerverband gehörte zu den Gegnern des neuen Energiegesetzes. Auch die SVP war gegen das neue Gesetz. Die Kritik bestand darin, dass die Gesetzesvorlage zu Konsequenzen für Hauseigentümer führe. Insbesondere die erhöhten Kosten durch den Einbau einer neuen Heizung wurden kritisiert.

Hinzu kommen Hindernisse wie etwa Bauarbeiten zur Erweiterung des thermischen Netzes. Laut Kritikern ist es nicht immer technisch möglich oder wirtschaftlich zumutbar, die Wärmeversorgung umzustellen. Auch in der eigenen Küche wird ab 2040 kein Gas mehr erlaubt sein.

Trotz dieser Einschränkungen und Kosten stimmten letztendlich aber weniger als 40 Prozent der Zürcher mit einem «Nein» gegen das Energiegesetz.

Wie beeinflussen Öl- und Gasheizungen den Energieverbrauch in der Schweiz?

Die Revision des Energiegesetzes in Zürich beeinflusst die Treibhausbilanz der ganzen Schweiz. Denn mit einer Bevölkerung von über 1,5 Millionen Personen ist Zürich der bevölkerungsreichste Kanton. Etwa 40 Prozent der CO2-Emissionen kommen hier von Öl- und Gasheizungen. In anderen Kantonen machen die Heizungen nur 25 Prozent der Emissionen aus. Hier ist Zürich also schlechter aufgestellt. Zugleich verursacht der Kanton aufgrund seiner Grösse mehr Emissionen.

Die folgende Grafik zeigt, welche Energieträger in der Schweiz wie viel Energie verbrauchen. Dabei wird ersichtlich, dass Gas und Brennstoffe wie Öl wesentlich für CO2-Emissionen verantwortlich sind. Zugleich zeigt sich aber auch, dass der Energieverbrauch insgesamt sinkt, was eine gute Nachricht ist:

Zürcher Energiegesetz - Grafik des Energieverbrauchs nach Energieträgern in der Schweiz

Vision: Zürich im Jahr 2040

Mit dem Zürcher Energiegesetz, das schon lange diskutiert wird, hat sich die Stadt das Ziel gesetzt, in den nächsten 20 Jahren denn Energieverbrauch drastisch zu senken. Sowohl für Heizungen als auch für Warmwasser soll nur noch klimafreundliche Energie zum Einsatz kommen.

Öl- und Gasheizungen werden in der Stadt de facto ausrangiert. Bis 2040 soll es im ganzen Stadtgebiet keine derartigen Heizungen mehr geben. In der Verwaltung gilt schon das Jahr 2035 als Datum für den Umstieg auf klimafreundliche Energie.

Details finden sich in der Wärmeversorgungsverordnung, die als Stadtzürcher «Energiegesetz» gilt. Dort ist auch festgehalten, dass die thermischen Netze von Zürich massiv ausgebaut werden sollen. Aktuell sind etwa 30 Prozent der Siedlungsfläche von Zürich mit Fernwärme und Energieverbünden erschlossen. Künftig soll diese Zahl bei 60 Prozent liegen.

Die Bautätigkeit für thermische Netze wird bis 2040 deutlich zunehmen. Schliesslich müssen die stillgelegten Gasleitungen und die wegfallenden Ölheizungen durch andere Energieformen ersetzt werden. Die Lebensdauer einer Öl- oder Gasheizung liegt bei etwa 20 Jahren. Und selbst fossile Heizungen, die 2040 noch gut funktionieren, sollen finanziell entschädigt machen. Hinzu kommen städtische Fördermöglichkeiten, die den Abschied von der bisherigen Heizung bis 2040 schmackhafter machen sollen.

Was bedeutet das Zürcher Energiegesetz für Immobilienbesitzer?

Immobilienbesitzer werden durch das neue Zürcher Energiegesetz in die Pflicht genommen, bis spätestens 2040 eine neue Heizung einzubauen, wenn die alte Heizung auf Basis von Öl oder Gas funktioniert. Dabei lohnt es sich, die angebotenen Fördermittel in Anspruch zu nehmen, sobald die alte Heizung das Ende ihrer Lebenszeit erreicht hat.

Zwar kann es trotz Förderungen zu Mehrkosten kommen, aber langfristig sind die Heizungen mit einer Wärmepumpe oder mit Holzpellets nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch günstiger. Entsprechend haben selbst die Mietenden Vorteile, da sie niedrigere Nebenkosten erhalten werden. Dies bedeutet, dass Immobilien mit einer umweltfreundlichen Heizung immer beliebter sein werden, sodass Immobilienbesitzer von der hohen Nachfrage profitieren können – ein Win-Win für alle!

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