Podcast: Levent Künzi zu Gast bei Swisspreneur

Neben dem Blick hinter die Kulissen von properti und der Immobilienbranche, dem rasanten Wachstum sowie der Firmengründung mit seinem Bruder, erzählt CEO & Co-Founder Levent Künzi in einer neuen Episode des Podcasts Swisspreneur auch von seinem persönlichen Werdegang, dem Erfolg in jungen Jahren, der auch Schattenseiten mit sich brachte.

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Silvan Krähenbühl: Levent, willkommen zur Swisspreneur-Show, es ist mir eine Freude, dich heute hier zu haben.

Levent Künzi: Ich freue mich, dabei zu sein, vielen Dank für die Einladung.


Du bist Mitbegründer und CEO von properti, einem technologiegetriebenen Immobilienunternehmen, das Immobilientransaktionen modernisiert. Bevor wir über eure Story sprechen, möchte ich mit deinem persönlichen Hintergrund beginnen: Du hast mehr als zehn Jahre bei einem grossen Immobilienmakler gearbeitet. Daher bin ich zunächst einmal neugierig, was dein ursprüngliches Interesse an der Immobilienbranche geweckt hat?

Levent Künzi: Nach meinem Abitur, habe ich als Sales Agent angefangen, um dort ein paar Verkäufe zu machen und etwas Geld zu verdienen. Dabei haben sich diverse Karrieremöglichkeiten entwickelt und ich hatte die grossartige Gelegenheit, mich in der Immobilienbranche weiterzuentwickeln, wurde befördert – so hat all das eigentlich begonnen.


Du hast also als Sales Agent angefangen, sozusagen im Telefonverkauf. Wann hast du eigentlich gemerkt, dass du wirklich gut bist in dem, was du tust?

Levent Künzi: Ich habe diese Entwicklung innerhalb des Unternehmens gemacht, ich war im Alter von 23 Jahren im Management Director, Country Manager und dann war ich COO im Alter von 25 Jahren und so habe ich mich eigentlich entwickelt. Und nach 10 Jahren in dieser Firma bin ich inn einen Burnout hineingeschlittert, womöglich weil ich neben der Position als COO auch noch studiert habe. Da habe ich auch gemerkt, dass die Arbeit auf der einen Seite sehr wichtig ist, aber dass man sich auch richtig um sich selbst kümmern sollte – und ja, so ist es dann gelaufen.


Und dann hast du den nächsten Schritt gemacht und gemeinsam mit deinem Bruder, Adrian Künzi, im Jahr 2019 properti gegründet. Erzähl doch ein bisschen mehr darüber, wie ihr euch letztlich entschieden habt, tatsächlich ein Tech-Startup zu gründen und damit auch wieder zurück zu Stress und Druck?

Levent Künzi: Eigentlich hatte ich zu dieser Zeit bereits zwei Startups, die ich in einem früheren Alter mit meinem Bruder gegründet hatte, welche ganz erfolgreich waren – die Gründung von properti war zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht geplant. Jedoch habe ich mich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Thematik ‚Technologie und Immobilien‘ beschäftigt und gemerkt, dass die Immobilienbranche im Allgemeinen wirklich veraltet ist, dass die alten Muster überhaupt nicht unterbrochen wurden, wo doch so ein riesiges Potenzial auf Fortschritt besteht – so haben wir Ende 2019 beschlossen, properti zu gründen und die Reise begann.


Adrian Künzi und Levent Künzi

Die Brüder Adrian Künzi (CSO) und Levent Künzi (CEO) haben im November 2019 properti gegründet.


Und worauf habt ihr euch damals konzentriert? Was war eure erste Idee, die ihr umsetzen wolltet, worin lag euer Fokus?

Levent Künzi: Die Ausgangslage war und ist, dass das Immobiliengeschäft komplex ist und wir es vereinfachen wollen. Der Fokus liegt darauf, dass wir die Immobilienbranche zugänglicher und transparenter machen wollen, um einen echten Mehrwert für die Kunden zu schaffen. Das war eigentlich der erste Gedanke, den wir bei der Gründung hatten.


Wenn du die Mission und die Vision von Unternehmen in der Immobilienbranche liest, bin ich mir sicher, dass genau diese Worte auf jeder zweiten Website zu finden sind. Was unterscheidet euch also wirklich von anderen? Warum ist properti nicht einfach nur ein weiteres Immobilienunternehmen unter vielen?

Levent Künzi: Ich denke, es gibt zwei Punkte, die sehr wichtig sind: Erstens wollen wir einen echten Mehrwert für den Kunden schaffen. Wir haben beschlossen, dass wir ein Unternehmen gründen, das wirklich Werte schafft und nicht nur darüber redet. Der zweite Punkt ist, dass wir eigentlich ein Software- und Immobilienunternehmen in einem sind. Wenn man also eine transaktionsbasierte Plattform entwickelt und die bis dato bekannte Prozesse auf den Kopf stellt und digitalisiert, dann ist das kein 0815-Maklerunternehmen mehr. Wir denken nicht nur an den Verkauf einer Immobilie und that’s it; wir sind wirklich darauf aus eine 360-Grad-Sicht für unsere Kund:innen zu bieten, darunter Käufer:innen, Mieter:innen sowie Verkäufer:innen, und ihnen den Zugang zu all diesen verschiedenen Dienstleistungen rund um Immobilien auf einer Plattform zu ermöglichen. 

Nähere Informationen zu unserer intelligenten Immobiliensoftware Propchain® und den dazugehörigen Portalen finden Sie hier.


Und ihr tut das, indem ihr den Leuten hilft, Immobilien zu mieten, vermieten, aber zu kaufen oder zu verkaufen und bedient damit beide Seiten, richtig?

Levent Künzi: Genau, wir bedienen beide Seiten und helfen den Leuten auch bei Umzügen, Reinigungsdiensten, Hypotheken, Renovierungen und so weiter.


In einer internen Diskussion habt ihr einmal den perfekten Sturm erwähnt bzw. aufgegriffen. Kannst du mir erklären, was das genau bedeutet und wie der ‚perfekte Sturm‘ sich gegenüber eurem Business verhält?

Levent Künzi: Immobilienmakler und -vermittler arbeiten im Moment noch zum grössten Teil auf manuelle Weise. Sie besitzen vielleicht eine tolle Homepage oder verwenden bereits schlaue Softwarelösungen, dennoch sind die Prozesse sehr manuell. Wir sind der Meinung, auch in Anbetracht der Covid-Krise, welche die Digitalisierung angekurbelt hat, dass der Immobilienbranche ein perfekter Sturm mit einem rasanten technologischen Wandel bevorsteht. Tech-Agenten wie Properti bringen das traditionelle Immobiliengeschäft in die digitale Welt. Wir nutzen Tech und bauen Ökosysteme auf, um den Kunden einen stets verfügbaren Service und damit das beste Kundenerlebnis zu bieten. Technologien erfordern entsprechende finanzielle Mittel, die sich die kleineren Makler nicht leisten können. Stattdessen können sie sich Tech-Agenten wie Properti anschliessen. Die Umstellung ist für viele bitter, aber am Ende profitieren alle davon.


Und wie macht ihr das genau mit der Technologie? Was ist euer ‘unfair advantage’? Ist es wirklich die Plattform? Oder was trägt euer Business dazu, um es einfacher zu machen, um es besser zu machen?

Levent Künzi: Es gibt zwei Ansätze: die erste ist, dass wir im Moment Immobilienmakler:innen angestellt haben, die mit und für uns arbeiten. Hier sind wir bereits dabei, bis zu 80 Prozent aller Prozesse zu automatisieren. Die Idee bzw. unser ‚unfair advantage‘ ist, dass die Makler:innen ihre Zeit wirklich in die Kundenberatung investieren können und wir organisieren sozusagen den Rest. Als zweiten Ansatz werden wir womöglich früher oder später unsere Plattform auch für externe Makler:innen öffnen, die nicht angestellt sind, eine Art ‚Partner Agents‘. Du siehst, wir versuchen wirklich, das Geschäft zu verbessern, zu vereinfachen und Mehrwert zu generieren. Der grosse Vorteil ist mitunter sicherlich auch, dass wir Software- und Immobilienunternehmen in einem sind.


Ich habe das sogar einmal selbst getestet und mit einem Makler gesprochen, der sagte, er spare viel Zeit bei der administrativen Nachbereitung. Es scheint also, dass ihr wirklich Zeit generiert, sodass mehr Immobiliengeschäfte in kürzerer Zeit abgewickelt werden können, ohne dass die Qualität darunter leidet.

Levent Künzi: Genau, das ist der Punkt. Unsere Makler:innen betreuen pro Person zwischen 35 und 40 Objekte, während ein ‚herkömmlicher Makler‘ zwischen 10, 12, sagen wir 15 Objekte betreut – und das ist ein bedeutender Unterschied. Wir bieten auch virtuelle Besichtigungen an, wie du selbst getestet hast, bei denen wir den Interessenten einstufen, um zu sehen, ob du Silvan, der perfekte Mieter/Käufer für uns sein könntest. Wir arbeiten also auch mit Scoring und Grading, um den perfekten Match für unsere Kunden zu finden.


Wenn du die Mission und die Vision von Unternehmen in der Immobilienbranche liest, bin ich mir sicher, dass genau diese Worte auf jeder zweiten Website zu finden sind. Was unterscheidet euch also wirklich von anderen? Warum ist properti nicht einfach nur ein weiteres Immobilienunternehmen unter vielen?

Levent Künzi: Hier kommt es immer auf den Markt an. In der Schweiz nimmt die Schwierigkeit zu, an die richtigen Angebote zu kommen. Deshalb arbeiten wir diesbezüglich auch mit unserem Datenanalyse-Team zusammen, um verschiedene Daten zu sammeln, aus denen wir den besten Value für unsere Immobilieneigentümer:innen kreieren können.


Wenn man nur die Angebote bekommt, die sonst niemand verkaufen oder vermieten kann, wird man womöglich nicht viel mehr Erfolg haben als die anderen, oder? Worin besteht also euer Vorteil? Wie erhaltet ihr Zugang zu den besten Angeboten? Denn das ist, kann ich mir gut vorstellen, schlussendlich das K.O.-Kriterium.

Levent Künzi: Da sind wir wieder bei zwei Aspekten: Einmal haben wir die menschliche Komponente, die durch Technologie gestärkt wird. Eine Strategie, die wir verfolgen, ist, dass wir unsere Makler:innen sozusagen als Experten in der Immobilienbranche brandmarken. Sie sind die Experten und wir sind für den Rest, wie Lead-Generierung, Branding oder PR-Arbeit, zuständig. Somit haben wir mehrere Generatoren, um mit den Immobilienbesitzer:innen in Kontakt zu treten. Dann gibt es noch den Qualitätsaspekt: Für uns ist es wichtig, dass unsere Makler:innen die beste Qualität liefern, diese messbar ist und wirklich den Mehrwert schafft, über den wir sprechen. Wir folgen also der Produktinnovation und arbeiten nicht mit festen Gebühren. Zum Beispiel gibt es keine Einstiegsgebühr für die Dienstleistungen. Der Kunde zahlt nur im Erfolgsfall, sodass die Zusammenarbeit mit uns wirklich risikofrei ist.



Eine andere Sache, die Sie vorhin erwähnten, war das Bootstrapping. Ich glaube, in den ersten zwei Jahren habt ihr das Unternehmen komplett gebootstrapped und erst kürzlich habt ihr eine Seed-Runde eingeworben – wie schwierig war es am Anfang, das Unternehmen zu booten? Denn das ist eine grosse Leistung.

Levent Künzi: Bis Ende 2021 gebootstrapt. Bis zu diesem Zeitpunkt haben mein Bruder und ich alles selbst investiert, mithilfe von Familie und Freunden. Für uns war es von Anfang an wirklich wichtig, immer zu reinvestieren und uns auf den technologischen Part zu konzentrieren. Ich glaube aber, der Grund für unser schnelles Wachstum, war das Team. Ohne dieses Team hätten wir das nicht erreichen können! Gleichzeitig haben wir uns dann dazu entschieden, zu einem späteren Zeitpunkt Investoren mit an Board zu holen.


Warum war es dann die richtige Entscheidung, Investoren aufzunehmen, anstatt weiterhin mit einem Bootstrap zu arbeiten?

Levent Künzi: Zu diesem Zeitpunkt haben wir erkannt, dass wir wirklich einen Einfluss auf den Markt haben können. Da war also dieses verrückte Wachstum, das wir mit Bootstrapping erreicht haben und hiernach die Entscheidung, dass wir wirklich schneller wachsen und, properti vergrössern wollen.


Habt ihr nicht ein gewisses Mass an Freiheit und Flexibilität aufgegeben, indem ihr Investoren an Bord geholt habt?

Levent Künzi: Nein, ich bin sehr dankbar für unsere Investoren, die an uns glauben und uns beraten. Wir haben auch ein sehr gutes Advisory Board und ich denke, dass es immer wichtig ist, ehrlich miteinander zu kommunizieren, deshalb habe ich nicht das Gefühl, dass wir eine gewisse Freiheit aufgegeben haben.


Wofür werdet ihr das Geld verwenden und was ist der Plan für die Plattform? Wie wird sich diese entwickeln?

Levent Künzi: Es ist so, dass wir zu 80 Prozent in die Technologie der Plattform investieren, der Rest geht ins Marketing et cetera. Aktuell geht es darum, an der Plattform und den dazugehörigen Portalen zu feilen und eine bessere Version daraus zu machen. Das Projekt steht am Anfang, obwohl es die vier Portale bereits gibt. Im nächsten Schritt werden wir diese verbessern und skalierbarer machen.


Du hast das Unternehmen zusammen mit deinem Bruder aufgebaut, mit dem du bereits zusammengearbeitet hast. Ist das ein Vorteil oder gibt es auch Nachteile?

Levent Künzi: Adrian und ich arbeiten sehr gut zusammen. Jeder hat eine klare Rolle, seine Aufgaben und Verantwortungen. Einer der grössten Vorteile ist sicherlich, dass man einander vertraut. Und ja, wem soll ich denn sonst vertrauen, wenn nicht meinem Bruder?


Wie teilt ihr euch die Rollen auf? Worauf konzentrierst du dich und worauf dein Bruder?

Levent Künzi: Mein Bruder fungiert als Chief Sales Officer, er ist also wirklich für den gesamten Vertrieb verantwortlich. Ich kümmere mich als CEO, gemeinsam mit meinem C-Level und Management-Team um den Rest.


Wenn wir uns jetzt noch eure Zahlen ansehen, habt ihr bereits mehr als 2000 erfolgreiche Immobilienvermittlungen durchgeführt, euer Team wächst schnell und ihr habt bereits eine zweite Seed-Runde hinter euch. Was steht als Nächstes für euch an, was sind die Pläne für Properti?

Levent Künzi: Nach der ersten Pre-Seed-Runde mit 1,25 Millionen Franken haben wir fünf Monate später die zweite Seed-Runde eingeholt und noch einmal rund 6 Millionen Franken gesammelt. Mittlerweile sind wir über 125 Mitarbeiter, das ist crazy. Im nächsten Schritt werden wir uns darauf konzentrieren, die Prozesse und Kommunikationswege für das Team zu adaptieren und uns auf Skalierung des Unternehmens einstellen.


Via Play-Button geht’s zur vollen Länge der Podcast-Episode auf Swisspreneuer– jetzt anhören:

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